Ausgabe:

Zweigleisig zum Kunden

Donnerstag, 11. April 2019
Foto: tegut

Der MARKANT Partner tegut ist in den Online-Handel eingestiegen und so mit seinen Eigenmarken auf dem nationalen Markt präsent. Gleichzeitig wird die stationäre Expansion zielgerichtet fortgeführt.

Das Unternehmen tegut hat bereits vor zwei Jahren wichtige Weichen gestellt, um sich als stationärer FMCG-Händler zukunftssicher aufzustellen. Eine Erkenntnis von tegut lautet, dass die «Generation Y», also die
internetaffine junge Zielgruppe, ein wesentlicher Treiber für die Herausforderungen ist, die der Handel künftig zu bewältigen hat. Wie ernst man den E-Commerce nehmen muss, verdeutlicht Geschäftsführer Thomas
Gutberlet anhand der Entwicklung im Textilhandel: Hier sind zwischen 2008 und 2017 rund elf Millarden Euro Umsatz an den Online-Handel abgewandert, während gleichzeitig fast 10 000 Textilgeschäfte vom Markt verschwunden sind.

Gebiete mit Zukunftspotenzial

Eine andere Entwicklung, die tegut an seinen Standorten unmittelbar spürt, ist das Bevölkerungswachstum in Ballungsgebieten und die Abwanderung junger Menschen aus dem Umland dorthin.
Darauf hat das Unternehmen reagiert und treibt die stationäre Expansion in Gebiete mit Zukunftspotenzial voran. Im Geschäftsjahr 2018 wurden sechs Märkte neu eröffnet: in Frankfurt, Mainz, Fellbach-Schmieden, Weimar, Stuttgart und Waiblingen. Sechs kleinere Märkte und Lädchen wurden aus Gründen der Wirtschaftlichkeit geschlossen. Die Anzahl der tegut-Märkte lag Ende 2018 bei 273 und damit auf Vorjahresniveau. «Wir
wollen 2019 weiter wachsen und setzen unseren Expansionskurs mit Fokus auf die südlichen Bundesländer fort», bekräftigt Gutberlet.

Nationale Kundenreichweite

Auf Zukunft gestellt wird aktuell auch die Logistik. In Hünfeld-Michelsrombach plant tegut ein Logistikzentrum auf einer 23 Hektar grossen Fläche. «Wir haben einen wichtigen Meilenstein erreicht. Der verkehrsgünstige und hervorragend angebundene Standort in Michelsrombach sichert tegut eine zukunftsfähige Logistik im Hinblick auf die weitere Expansion des Unternehmens», sagt Michael Egerer, Leiter Logistik und Mitglied der tegut-Geschäftsleitung. Aber die Verlagerung des tegut-Gebiets von Nord-Ost nach Süd-West in den Grossraum Stuttgart treibt auch die Kosten. Die längeren Lieferstrecken verteuern die Logistik, und das Marketing benötigt grössere Budgets, um die Marke tegut in den Expansionsgebieten zu etablieren.

Also entschied sich tegut für eine Online-Strategie, die im März 2017 startete. Die gezielte stationäre Expansion wurde um einen nationalen Online-Versand der tegut-Marken ergänzt. Statt eine eigene E-Commerce-Lösung zu etablieren, setzt das Unternehmen auf den Marktplatz von Amazon. «Dadurch können wir Kunden Zugang zu tausenden neuen Produkten ermöglichen und bündeln nachhaltig die Ressourcen, ohne einen weiteren Vertriebskanal aufzubauen », so Gutberlet. Online ist tegut nun also national verfügbar. Dabei sind die tegut-Eigenmarken mit ihrem Reinheitsversprechen (ohne Gentechnik, ohne Zusatzstoffe) die Treiber von Bekanntheit und Markenwert. Als konkreten Mehrwert des Online-Engagements nennt Gutberlet die nationale Ausweitung der Kundenreichweite, den effektiven Aufbau der Marke tegut in neuen Gebieten und schliesslich auch Marktanteilsgewinne.

Info

tegut expandiert 2019 mit 8 Neueröffnungen.

Im Februar eröffnete tegut einen weiteren Markt in Frankfurt: In der Kaiserpassage werden auf rund 1200 Quadratmetern Lebensmittel mit Fokus auf bio und regional angeboten. Im Sommer wird der erste tegut-Markt in Schwäbisch-Gmünd und im Herbst werden zwei Märkte in Heidelberg eröffnen. In Stuttgart wird es ab Frühjahr einen neuen und damit den fünften tegut-Markt vor Ort geben. Weitere zwei Neueröffnungen stehen im Herbst in Fürth und Erlangen an.

tegut hat 2018 mit 273 Filialen einen Umsatz von 1,035 Milliarden Euro erzielt, 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Flächenproduktivität stieg um 1,9 Prozent (2017: 0,9 %). Gewachsen ist der Anteil von Bio-Produkten am Gesamtumsatz, und zwar von 25,4 Prozent auf 26,0 Prozent. Mehr verkauft wurden auch fair gehandelte und regionale Produkte.