Hochwertiges hat seinen Preis

Montag, 27. Februar 2023
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Speiseöl – insbesondere Sonnenblumenöl – wurde aufgrund des Ukraine-Krieges zur Mangelware und die Preise zogen an. Wie Markenhersteller darauf reagieren und welche Speiseöle gefragt sind.

Nach der Corona-Pandemie sorgte der Ukraine-Krieg erneut für Regallücken in den Supermärkten. Da die Ukraine zu Deutschlands wichtigsten Lieferanten für Sonnenblumenöl gehört, wurden Lieferengpässe befürchtet. Die Folge: Hamsterkäufe. Viele Hersteller versuchten, die Lücken durch Alternativen wie Rapsöl oder Olivenöl bestmöglich zu schliessen, zum Beispiel Importhaus Wilms mit Olivenölen von Gaea und Monini, Deoleo mit Bertolli oder VOG mit Rapso. Auch die Teutoburger Ölmühle füllte eigenen Angaben zufolge kontinuierlich grössere Mengen ab. Rila hat aufgrund der Verknappung manche Rezepturen geändert. So wurden einige Produkte, die bisher in Öl eingelegt wurden, zukünftig im eigenen Sud gegart und abgefüllt.    

Höhere Preise
Die Lieferengpässe liessen die Preise für Speiseöle erwartungsgemäss in die Höhe schnellen. «Wir sind aktuell mit Preissteigerungen zwischen 15 und 30 Prozent konfrontiert», berichtet Karin Delgoff, Olivenölpanelmitglied Eurofins, Category-Managerin Essig – Öle bei Importhaus-Wilms. «Diese Preissteigerung wird sich auch in 2023 fortsetzen, weil die Olivenernte in Spanien katastrophal ausgefallen ist. Höhere Preise sind daher nicht nur für spanische Olivenöle unvermeidbar, sondern auch für italienische und griechische, weil sich die Beschaffung jetzt auf andere Länder verlagert.»

Langfristiger Trend zur Marke
«Die aktuellen Preissteigerungen können momentan zu Kaufentscheidungen zu Ungunsten von Markenprodukten führen. Dennoch geht der langfristige Trend klar zur Marke», ist Walter Holzner, Geschäftsführung Rapso Österreich, überzeugt und beruft sich auf Daten von Nielsen. Im ersten Halbjahr 2022 befinden sich unter den Top-10-Speiseölen im deutschen LEH (plus Drogeriemärkte, ohne Discounter) fünf Eigenmarkenprodukte mit einem Umsatzmarktanteil von zusammen 7,67 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2017 waren es noch sechs Eigenmarkenprodukte mit einem Marktanteil von zusammen 12,91 Prozent.

Nach Ansicht der Markenhersteller verbinden viele Verbraucher mit Markenspeiseölen eine höhere Qualität. So stammt der Raps für Rapso aus rein österreichischem Vertragsanbau, der Rohstoff ist rückverfolgbar bis zum Feld. «Zudem ist der Raps garantiert gentechnikfrei, er wird schonend ohne Chemie verarbeitet und umweltbewusst produziert. Für diesen Mehrwert an Qualität zahlt der Verbraucher auch einen höheren Preis», sagt Walter Holzner. Die Teutoburger Ölmühle schält für Gourmetöle die Rapssaat in einem patentierten Verfahren und entfernt die schwarzen Bitterschalen. Einzig der darunter verborgene goldene Kern wird schonend kaltgepresst und direkt in die Flasche abgefüllt. Deshalb schmecken laut Hersteller die Teutoburger Gourmetöle fein-nussig und haben eine goldgelbe Farbe. Bei Bertolli fliessen 157 Jahre an Erfahrung in jeden Herstellungsschritt ein. «Nicht immer ist aus unserer Sicht das günstigste Produkt auch das Beste. Vielmehr sind wir stolz auf Auszeichnungen wie beispielweise unser «Bio Originale» bei Stiftung Warentest 2022», berichtet Tomislav Bucic, General Manager North Europe, bei Deoleo.

Speiseöle: Die Trends
Deoleo sieht grosse Chancen bei Speiseölen für die heisse Küche sowie für Allround- und Bio-Produkte. «Die Kunden sind sensibler in Bezug auf Qualität geworden. In diesem Zusammenhang spielt Extra Natives Olivenöl eine wichtige Rolle», so Tomislav Bucic. Zudem erkennt er erneut einen vermehrten In-house-Konsum, allerdings sei diesmal die Inflation und die damit gestiegenen Lebenshaltungskosten der Auslöser. «Wir gehen davon aus, dass Speiseöle generell weiterhin stark nachgefragt werden, insbesondere in den oben genannten Kategorien. Auch die Teutoburger Ölmühle profitiert vor allem von den Allrounder-Ölen für den täglichen Gebrauch. Das Thema Braten ist insbesondere bei Raps- und Sonnenblumenölen sehr beliebt.  Eine ungebrochene Nachfrage nach Rapsöl sieht VOG, wobei vor allem Rapso für die dynamische Entwicklung dieses Segments verantwortlich sei, so Geschäftsführer Walter Holzner.

News

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Ein Start-up will den Süsswarenmarkt umkrempeln, mit gesunden Naschereien – gesüsst mit Datteln.

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Die Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, verschiedene Dienstleistungen für Händler und Lieferanten zu erbringen.

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Die Barzahler in Deutschland haben ihre Gewohnheiten in den Coronajahren verändert und sind dabei geblieben. Sie zahlen am liebsten mit Karte – und zwar mit der Girocard.

Olivenölproduktion 2022/23

Trockenheit und hohe Temperaturen im südlichen und westlichen Mittelmeerraum behinderten die vegetative Entwicklung der Olivenbäume und verringerten die Ölbildung in den Früchten erheblich. Diese geringen Erträge haben sich auf die europäische Produktion ausgewirkt und zu einem Produktionsrückgang in der Region von etwa 34 % geführt. Die Produktion des weltweit grössten Erzeugers Spanien ging massiv zurück (-48 %), Italien und Portugal verzeichneten einen Rückgang um 29 % bzw. 39 %. Der östliche Teil des Mittelmeerraums hat sich deutlich besser entwickelt, da die Region weitestgehend von der trockenen und heissen Witterung verschont blieb. Im Jahr 2022 wurde daher in Ländern wie Griechenland, Tunesien, der Türkei und Israel eine ertragreiche Ernte eingefahren.

Griechenland mit seinen ausgezeichneten Anbaubedingungen wird seine Olivenölerträge voraussichtlich erheblich steigern. Es wird erwartet, dass die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 51 % steigt und mit 350 000 Tonnen Italien bei der EU-Produktion überholt.

Türkei: Erste Schätzungen für das laufende Erntejahr deuten darauf hin, dass die türkischen Oliven einen höheren Ölertrag aufweisen werden als die 228 000 Tonnen, die 2021/22 produziert wurden (+79 %). Die Türkei geht auf der Grundlage ihrer offiziellen Ertragsprognosen davon aus, dass die Olivenölernte in diesem Jahr 400 000 Tonnen übersteigen wird – ein Rekordwert.

Auch in Israel wird ein Rekordjahr für Tafeloliven und Olivenöl erwartet. Obwohl sich die Ernte verzögert hat, scheint sie die Erwartungen sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Menge zu übertreffen. Nach zwei Saisons mit niedrigen Erträgen ist der Ertrag in dieser Saison sehr hoch.

Tipp:
Im Jahr 2023 könnte es sich lohnen, bei der Planung einer Beschaffungsstrategie auch Olivenöl aus Märkten zu berücksichtigen, die bisher nicht im Fokus standen: Türkei und Griechenland. Türkische und griechische Erzeuger sowie Exporteure könnten in der Lage sein, die Lücke auf den internationalen Märkten zu füllen, die durch die schlechtere Ernte in Spanien und Italien entstanden ist.

Quelle: Markant Rohstoff-Monitoring/Cost Insights Ltd.
 

Preisentwicklungen – Rückblick und Ausblick

Das Markant Magazin ONE hat ausgewählte Hersteller darüber befragt, wie sich die Verbraucherpreise für Speiseöle in 2022 entwickelt haben und welche Prognose sie für 2023 ziehen.

Deoleo: Die gestiegenen Rohwarenpreise konnten in dem Ausmass, das in 2022 angefallen ist, nicht zur Gänze kompensiert werden. Daher mussten auch wir, wie unsere Mitbewerber und viele andere LEH-Marken, unsere UVPs entsprechend anpassen. Die hohe Inflation der letzten Monate und die Prognose ohne Besserung werden auch im nächsten Jahr die Preise weiter beeinflussen. Bei den momentanen Prognosen für 2023 sind wohl weitere Preissteigerungen zu erwarten.

Teutoburger Ölmühle: Neben den Saatpreisen sind auch die Energiekosten sehr stark gestiegen. Unsere Saaten für 2023 sind gesichert, aber die Ukraine-Krise führt weiter zu hohen Marktpreisen. Die Energiekrise stellt uns ausserdem vor grosse Probleme, da nicht nur wir selbst betroffen sind, sondern auch unsere Vorlieferanten (Glas, Kartonage etc.). Dies zwingt uns dazu die Preissteigerungen notgedrungen weitergeben zu müssen. Für 2023 sehen wir hier aktuell leider noch keine sinkenden Preise im Speiseölsegment.

VOG: Die Preise haben sich deutlich erhöht. Leider waren auch wir zu Preiserhöhungen gegenüber unseren Handelspartnern gezwungen. Die Ursachen liegen in massiven Rohstoffpreiserhöhungen, in der knappen Verfügbarkeit, sowie in stark angestiegenen Preisen für Strom und Gas, Glas, Verpackungsmaterialien und Transportkosten.

Produkte

Deoleo
Das «Bertolli Bratolivenöl» kann auf Grund seiner Zusammensetzung aus nativen und raffinierten Olivenölen bis zu 195 Grad Celsius erhitzt werden. Damit ist es ideal für die heisse Küche geeignet und kann vielseitig eingesetzt werden.
www.bertolliolivenoel.de

Importhaus Wilms
«Monini Bratöl» in der 0,5-Liter-Flasche ist hoch erhitzbar bis 210 Grad. Dabei behält es mit 83 % gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren den gesunden Charakter des Olivenöls. Es ist mild im Geschmack mit einer feinen Olivenölnote und perfekt für die heisse Küche.
www.monini.com/de/

Rila | Speiseöl 
«Lien Ying Kokosöl» im 130-Milliliter-Glas wird aus voll ausgereiften Kokosnüssen gewonnen. Das zerkleinerte und getrocknete Kokosfleisch wird ohne Zugabe von Hilfsstoffen kalt gepresst und gefiltert. Unter 25 Grad Celsius ist das Kokosöl von Natur aus fest. Es ist hitzestabil und eignet sich zum Kochen, Braten und Frittieren. Es spritzt nicht und brennt nicht an.
www.rila.de

Teutoburger Ölmühle 
Das «Teutoburger Rapskernöl Die Nr. 1» ist ein natives Rapskernöl aus erster Kaltpressung. Es eignet sich als Allrounder in der Küche. Ob für Kaltes, zum Kochen oder Braten – dieses Speiseöl verfeinert mit seiner leicht nussigen Note jedes Gericht. Der Raps stammt aus kontrolliertem Vertragsanbau ausschliesslich aus Deutschland.
www.teutoburger-oelmuehle.de

Die Ölfreunde 
Das kaltgepresste Kräuteröl «Kräuterfreund» wird schonend in der hauseigenen Ölmühle im Naturpark Obere Donau kaltgepresst. Sämtliche Rohstoffe stammen aus deutscher Landwirtschaft. Die Speiseöle sind unbehandelt, um eine hohe Qualität und einen besonderen Geschmack zu erzielen.
www.dieoelfreunde.de

VOG 
Rapso ist ein 100 % reines Rapsöl, gentechnikfrei und stammt ausschließlich aus kontrolliertem österreichischem Vertragsanbau. Rapso wird zu schonend gepresst. Es ist für alle Anwendungsbereiche in der Küche geeignet und ernährungsphysiologisch besonders wertvoll.
www.vog.at/de/Produktionsbetriebe/Rapso